LEBENSMITTEL UNTER DER LUPE | Palmöl – eine Gefahr für uns und den Planeten?

Immer wieder hört man von dem gefährlichen Öl, das an jeder Ecke zu lauern scheint. Doch warum sollte es eigentlich so „böse“ sein und was ist an den Anschuldigungen wirklich dran? Und wenn es wirklich so schrecklich ist, wieso ist es dann trotzdem überall drin?

Was ist es eigentlich?

Palmöl wird aus der Frucht der Ölpalme, welche vor allem in Malaysia, Indonesien und Nigeria gedeiht, erzeugt. Zunächst gewinnt man ein intensiv rot-orangenes Öl, welches seine Farbe dem Reichtum an Carotinoiden (31 000 μg/100g) zu verdanken hat. Was die Fettsäurezusammensetzung angeht, ist das Verhältnis von gesättigten zu ungesättigten Fettsäuren nahezu 1:1. Trotz diesem 1:1 Verhältnis, ist die Menge an gesättigten Fettsäuren immer noch sehr hoch. Das würde darauf hindeuten, dass Palmöl ungünstig für das kardiovaskuläre System und insbesondere den LDL-Spiegel im Blut ist. Des Weiteren wird ihm vorgehalten krebserregend zu sein. Nur wenige Medien propagieren seine Vitamin-A-Wirksamkeit.

Doch was ist an den Anschuldigungen nun wirklich dran? Wie schädlich ist Palmöl nun für unsere Gesundheit?

Nun fangen wir damit an die Fettsäuren bezüglich des Cholesterinspiegels genauer unter die Lupe zu nehmen. Palmöl enthält hauptsächlich (gesättigte) Palmitin- (42,1%) und (ungesättigte) Ölsäure (36,3%). Ölsäure ist auch die Fettsäure, die vor allem im Olivenöl zu finden ist. Einige Studien haben ergeben, dass sich Olivenöl mit all seinen Fettsäuren positiv auf das Herzkreislaufsystem und somit auch den Cholesterinspiegel auswirkt. Daher kann auch die Ölsäure im Palmöl nicht das Problem sein.

Palmitinsäure hingegen wirkt da schon verdächtiger, zu dem diese auch noch gesättigt ist. Laut einer Review von O.Odia, die 2015 im „World Journal of Cardiology“ erschien, ist jedoch gesättigte Fettsäure nicht gleich gesättigte Fettsäure. Palmitinsäure ist eine „C16-Fettsäure“, laut einigen Studien dieses Reviews, haben aber vor allem C12 und C14 Fettsäuren, wie sie zum Beispiel im Speck oder im Kokosöl vorkommen, einen wesentlich größeren Effekt auf den Serumcholesterinspiegel, als all die anderen. Palmitinsäure soll sich also bezüglich des Serumcholesterinspiegels eher wie Ölsäure verhalten und ihn demzufolge nicht verändern. Außerdem enthält das Palmöl einen hohen Gehalt an Vitamin E und β-Carotin. Beide wirken als Antioxidantien und können so oxidativen Veränderungen, die sich ebenfalls negativ auf die Herzgesundheit auswirken könnten, entgegenwirken.

Eine weitere interessante Erkenntnis, die sich offensichtlich durch Studien bestätigte, ist die „sn2-Hypothese“, die besagt, dass vor allem die Fettsäure, die an Stelle 2 des Glycerins steht, entscheidend für den Cholesterinspiegel ist. Dies wird als einzige der 3 Fettsäuren direkt in die Leber aufgenommen und gelangt von dort ins Blut, während jene an Stellen 1 und 3 in die Fettzellen gelangen.

Am günstigsten ist es, wenn an der sn2-Stelle eine PFUA (poly unsattured fatty acid = mehrfach ungesättigte Fettsäure) steht. Dies ist sowohl in Palmöl, als auch generell in Pflanzenölen der Fall.

Es kam also heraus, dass Palmöl keinen negativen Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit hat. Man könnte auf Grund des hohen Gehalts an Antioxidantien und der verblüffend ähnlichen Wirkungsweise zur Ölsäure sogar einen positiven Effekt herauslesen. Um Konkretes zu sagen, bedarf es jedoch noch mehr Studien.

Wie sieht es nun mit der Kanzerogenität des Palmöls aus?

Im Zuge einer EFSA-Studie aus 2016 von E.Panel et al., kam heraus, dass in prozessiertem Palmöl v.A. durch das Chlor in der Chlorierung und die hohen Temperaturen während der Desodorierung, 2- und 3-MCPD-Fettsäureester (Monochlorpropandiol) sowie Glykosidylester entstehen. Diese werden verantwortlich für div. Tumore an Mensch und Tier gemacht.

Nach zahlreichen Studien an Ratten, erkannte man, dass was 3-MCPDs anging, bei den meisten Tieren renale und testiculare Tumore auslösten, sowie progressive Nephropathien, jedoch keine Evidenz für Genotoxizität ausgesprochen werden konnte. Allerdings wurde ein NOAEL (no observed adverse effect level) von 10mg/kg Körpergewicht und Tag ausgesprochen. 95% der Kinder und Säuglinge erreichen diesen Wert täglich bzw sind sogar weit darüber.

Was 2-MCPDs angeht, sind zu wenig Daten vorhanden, um eine Aussage zu treffen.

Glykosidylester wurden mit starker Evidenz als genotoxisch eingestuft, da sie sehr schnell absorbiert werden und in Rattenstudien bereits nach 28 Tagen bei einer Einnahme von 200mg/kg Körpergewicht zu neurotoxischen Schäden führten. Bei einer dauerhaften Einnahme von 2 Jahren, kam es sowohl bei männlichen, als auch bei weiblichen Tieren zu diversen Tumoren und Fertilitätsproblemen. Des Weiteren wurde ein T25-Wert von 10,2mg/kg Körpergewicht und Tag ausgesprochen.

Nun stellt sich noch die Frage, was es mit der Vitamin-A-Wirksamkeit auf sich hat.

Grundsätzlich schwindet der Gehalt an β-Carotin nach der Raffination. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, mit der man diesen Schwund umgehen kann. Durch eine schonende Form der physikalischen Raffination werden weder die Fettsäuren verändert, noch das β-Carotin vernichtet. Es entsteht sogenanntes RPO (red palm oil).

Zahlreichen Studien nach, ergeben entsprechende Palmölgaben eindeutig höhere Serumretinolspiegel und können somit einer VAD (Vitamin A defficiency) sowohl vorbeugen, als auch verhindern. Außerdem hat RPO im Gegensatz zu anderen Vit-A bzw β-Carotin-Quellen, keinen negativen Effekt auf den α-Carotin- und Vitamin-E-Spiegel. Auch das Körpergewicht wird bei den verwendeten Mengen (wobei diese tw andere Fettquellen ersetzten) nicht beeinflusst. Hämoglobin bleibt ebenfalls unverändert.

Daraus kann man schließen, dass RPO eine gute Quelle für Vitamin-A zu sein scheint.

Jetzt bleibt nur noch das Thema Umwelt:

Für die Lebensmittelindustrie ist Palmöl das günstigste Öl, da Ölpalmen sehr ertragreich sind. Daher wird es auch am Häufigsten verkauft und macht über ein Drittel der gesamten Ölproduktion aus. Allerdings kann die Ölpalme ausschließlich in Tropischen Gebieten angebaut werden, weswegen sie sowohl Mensch als auch Tier Lebensraum stielt. Durch das Schwinden des Regenwalds werden die Treibhausgase zu dem massiv erhöht.

Daher kann man abschließend sagen, dass gesundheitlich, bei sonstiger ausgewogener Ernährung ein palmölhaltiges Produkt, nicht unbedingt ein Problem macht, jedoch zu häufiger Konsum, nicht nur eventuell krebserregend sein kann, sondern auch unserem Planeten massiv schadet.

Daher wie immer: die Dosis macht das Gift! Besser selbst kochen, statt Fertigprodukte kaufen!

Head of Nutrition & Endurance Department

Qualifikationen:

Studium Ernährungswissenschaften
Wettbewerbsorientierter Ausdauersport

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Quellen

Dong S., Xia H., Wang F. et al., (2017), „The effect of red palm oil on vitamin a deficiency: A meta-analysis of Randomized controlled trials”, Journal: Nutrients

Khatun R., Rezaa M., Moniruzzamanb M., Yaakobb Z. (2017), „Sustainable oil palm industry: The possibilities”, Renewable and Sustainable Energy Reviews 76

Odia O., (2015) “Palm oil and the heart: A review”, Journal: World Journal of Cardiology

Panel E., Chain F.,(2016) „Risks for human health related to the presence of 3‐ and 2‐ monochloropropanediol (MCPD), and their fatty acid esters, and glycidyl fatty acid esters in food”, EFSA Journal

Sin Teh S., Soon A., Ong H. et al,(2018), „sn-2 Hypothesis: a Review of the Effects of Palm Oil on Blood Lipid Levels”, Journal: J.Oleo Sci

Sundram K., Sambanthamurthi R., Tan Y., (2003), „Palm fruit chemistry and nutrition”, Journal:Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition • Vijay V., Pimm S., Jenkins C., Smith S. (2016), „The Impacts of Oil Palm on Recent Deforestation and Biodiversity Loss“, PLOS ONE